Lebensmittel im Überfluss

Lebensmittel im Überfluss?

„Solange wir in den Industrienationen mehr Essen kaufen als wir verbrauchen können, okkupieren wir Land und Ressourcen, aus denen die Armen dieser Welt ernährt werden könnten. Wir haben beinah eine Milliarde unterernährte Menschen in der Welt – sie könnten alle mühelos mit einem Bruchteil von dem ernährt werden, was die reichen Länder wegwerfen.“                         – Tristram Stuart, Autor und Aktivist

Weltweit werden 50% aller Lebensmittel weggeworfen. Jeder zweite Kopfsalat, jede zweite Kartoffel, jedes fünfte Brot finden den Weg in den Müll, häufig bevor das Produkt überhaupt im Supermarkt ankommt. Im Schnitt geht ein Produkt durch 33 Hände, bevor wir es im Laden kaufen können und an jeder Umschlagsstelle gehen weitere Lebensmittel verloren. So werden Tomaten aussortiert, die nicht rund genug sind, oder ganze Ladungen vernichtet, weil die Kühlung während des Transports auch nur für eine Stunde unterbrochen war. Auch Ladungen mit falsch etikettierten Produkten oder beschädigten Verpackungen werden beseitigt. Im Supermarkt angekommen, werden die Produkte bereits zwei Tage vor dem eigentlichen Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums aus dem Sortiment genommen, um keine Risiken einzugehen. Dabei wären die meisten dieser Produkte noch mindestens 2 Wochen länger ohne Probleme genießbar.

Aber was kann man dagegen tun? Wie kann man der Lebensmittelverschwendung entgegenwirken?

  • Der größte Effekt wird durch regionales und saisonales Einkaufen erzielt. Die Lebensmittel sind länger haltbar und haben eine weitaus kürzere Reise hinter sich.
  • Nicht von Angeboten wie „Zwei zum Preis von Einem“ locken lassen, sondern sich lieber fragen: Brauche ich wirklich so viel? Esse ich das alles, bevor es schlecht wird?
  • Auch die richtige Lagerung trägt zur Vorbeugung von Verderben bei. Die Fächer im Kühlschrank haben nämlich durchaus einen Sinn: Die schnell verderblichen Produkte oder das Abendessen vom Vortag kommen in das oberste Fach. Darunter Milchprodukte, wie Quark oder Joghurt, danach Fleisch und Fisch und ganz unten das Gemüse.
  • Braune Bananen und mehlige Birnen müssen nicht sofort weggeworfen werden. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Smoothie oder einer Weiterverarbeitung zu Mus?

Die 2012 ins Leben gerufene Initiative „Foodsharing“ rettet Lebensmittel, die ansonsten weggeworfen würden. Hierbei werden Produkte von Privatperson zu Privatperson getauscht, aber auch gewerbliche Lebensmittel abgeholt und über die Foodsharing-Plattform weiterverteilt. Jeder kann Mitglied werden und Essen, das ihm nicht schmeckt oder bald nicht mehr genießbar ist, weitergeben oder abholen. Inzwischen nutzen mehr als 35.000 Teilnehmer in Deutschland und Österreich die Plattform. Der Unterschied zu anderen Organisationen, wie zum Beispiel „die Tafel“ besteht darin, dass über „Foodsharing“ auch Lebensmittel nach Ablaufen des Mindesthaltbarkeitsdatums weitergegeben werden. Außerdem steht hier anstatt der Hilfe für Bedürftige, die Rettung der Lebensmittel im Vordergrund, ohne Berücksichtigung der Lebensverhältnisse des Empfängers.

Auch in der Gastronomiebranche ist der Trend bereits angekommen, mit den sogenannten „No food waste restaurants“. Hier werden regionale, aussortierte Produkte verarbeitet und es wird überwiegend vegetarisch gekocht, um den hohen Wasserverbrauch der Fleischproduktion zu vermeiden. Wenn doch Fleisch gekocht wird, wird das ganze Tier verarbeitet.

Auch einige „Restesupermärkte“ gibt es bereits. Hier wird das verkauft, was im herkömmlichen Handel keine Chance hat. Lebensmittel sind dort bis zu 70% günstiger. Am wichtigsten jedoch ist der Beitrag zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung.

(Auszug) Quellen:

http://www.zeit.de/kultur/film/2011-09/rezension-taste-the-waste

https://utopia.de/0/magazin/foodsharing-das-netz-gegen-lebensmittelverschwendung

 
2017-12-07T12:56:47+00:00